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Geschichte


Am 20.8.1907 gründeten 33 sportbegeisterte Bürger den Turnverein 1907 Oberndorf. Die 100jährige Geschichte des Turnvereins zeigt, wie aus kleinsten Anfängen und primitiven Möglichkeiten durch Pioniergeist, Einsatzbereitschaft, Idealismus und Verantwortungsbewußtsein sich eine Gemeinschaft bildete, die heute eine anerkannte Stellung und sportliche Bedeutung, nicht nur innerhalb der Stadt, sondern weit darüber hinaus, erreicht hat. Wie überall, besonders in den Vereinen, gibt es Höhen und Tiefen, die es zu meistern gilt. Deshalb gebührt unser heutiger Dank all den Mannen, die durch Mut, Fleiß und mitunter hohem persönlichen und teilweise auch mit finanziellem Einsatz und Treue ihre Verbundenheit zum Turnverein unter Beweis stellten und somit den Fortbestand und den stetigen Aufbau sichergestellt haben.

Kurz nach der Gründung trat der Turnverein dem damaligen Murgtalturngau bei. Mit der Anschaffung von Turngeräten und unter Leitung des 1. Turnwarts Karl Walz stellten sich auch bald achtbare Erfolge ein. Die turnerische Arbeit wurde weiter betrieben, bis der 1. Weltkrieg 1914 alle Bemühungen unterbrach, da alle aktiven Turner zu den Waffen gerufen wurden. Sieben Mitglieder mußten ihr Leben lassen: Eduard Westermann, Josef Westemann, Karl Westermann, August Wingender, Hermann Wingender, Johannes Wunsch, Wilhelm Wunsch. Ehre ihrem Andenken!

Am 4. Jan. 1919 wurden die Mitglieder erstmals nach dem Krieg zusammengerufen. Sie beschlossen den Fortbestand des Turnvereins Oberndorf. Die erforderlichen Neuwahlen brachten folgendes Ergebnis:
  • 1. Vorstand Leopold Dony (späterer Bürgermeister)
  • 2. Vorstand Karl Walz
  • Kassier Mathias Weber
  • Schriftführer Emil Maier
  • Turnwarte Josef Koch, Leopold Weber
  • Vereinsdiener Karl Melcher
  • Beiräte Wilhelm Wunsch, Raimund Wunsch, Karl Hatz
Ab dem Jahre 1920 nahm der Verein neben dem Turnbetrieb das Faustballspiel in sein sportliches Angebot mit auf. Von der Gemeinde wurde ein Platz angewiesen, der mit viel Arbeit und Mühe in Eigenarbeit zu einem Spielfeld hergerichtet wurde. Der Spielbetrieb wurde aufgenommen und bald darauf stellten sich auch die ersten Erfolge ein. Die Erringung der Gaumeisterschaft, Spiel um die badaische Meisterschaft, Gaumeisterschaft der Jugendmannschaft sind Zeugnis der damaligen Spielstärke der Faustballmannnschaften. Die Anschaffung einer Traditionsfahne verlangte vom Verein und seinen Mitgliedern einen finanziellen Kraftakt, denn die Inflation machte sich stark bemerkbar.

Beim Gauturntag 1923 in Ottenau bekam der TV Oberndorf das Gaujugendturnen zugesprochen. Dies sollte, verbunden mit der Fahnenweihe, zu einem besonderen Erlebnis für den Verein und die ganze Gemeinde werden. Zu diesem Anlaß konnte der Verein seinen vervollständigten Spielmannszug auftreten lassen. Trommler waren Simon Mai und Karl Melcher. Querpfeife spielten: Wilhelm Westermann, Anton Westermann, Wilhelm Orth und Albert Hörig. Die Inflation trieb ihrem Höhepunkt entgegen. Die Bezahlung der Fahne und die Durchführung der Fahnenweihe mit dem Gaujugendturnfest schien fast nicht mehr möglich. Diese Schwierigkeiten des Vereins konnten durch die selbstlose Hilfe einiger Turnkameraden im letzten Augenblick behoben werden. Ihre finanzielle Unterstützung ermöglichte es, die Fahne zu beschaffen. Ein herzliches Dankeschön den Turnfreunden Theodor Krell, Leopold Weber, Anton Westermann und nicht zuletzt dem damaligen Franz Streiling. Zur Verwendung des Reingewinns in Höhe von 1.013.395,-- Mark wurde beschlossen, die beim Fest errungenen Diplome einrahmen zu lassen, zu einem Stückpreis von 300.000,-- Mark. Der sportliche Erfolg dieses Festes war demzufolge höher einzuschätzen als der finanzielle Gewinn, denn nach der Geldentwertung blieb dem Verein nur noch ein Pfennigbetrag übrig.

Ab 1924 nahm der Turn- und Spielbetrieb wieder seinen gewohnten Verlauf. In den nun folgenden Jahren stellten sich turnerische und spielerische Erfolge in den verschiedenen Wettkampfklassen ein. Die wirtschaftliche Rezession und Inflation jedoch führten dazu, daß angesichts der finanziellen Situation des Vereins die Fahrtkosten zu den Meisterschaftsspielen von Seiten der Spieler selbst bezahlt werden mußten.

Nach der Machtübernahme durch die NSDAP hatte auch der TVO nicht mehr soviel Freiraum. Der Spiel- und Turnbetrieb war nicht mehr so gut besucht. Es gab Anordnungen von höherer Warte aus, die sich auf die Vereinsarbeit auswirkten. Beim Landesturnfest 1935 in Karlsruhe erreichten die Turner eine sehr gute Plazierung, sie konnten mit Eichenkranz und Diplom erfolgreich heimkehren. 1938 beim Deutschen Turnfest in Breslau war der Verein mit 2 Aktiven vertreten. 1939 war der TVO bei Landesturnfest Mannheim ebenfalls vertreten. Die Aktivitäten nahmen einen erfolg-reichen Verlauf, bis mit der Mobilmachung im August 1939 der Turnbetrieb zum Erliegen kam. Fast alle Turner, Leichtathleten und Faustballer wurden zu den Waffen gerufen.
Zehn tapfere Soldaten aus den Reihen des TVO sind im Krieg gefallen, zehn weitere gelten als vermißt.

Gefallen sind:
  • Willi Dreher
  • Sebastian Krell
  • Rudi Hafner
  • Otto Mai
  • Otto
  • Willi Herm
  • Hermann Wingender
  • Alfred Himmel
  • Oskar Wunsch
  • Eugen Krell
  • Wilhelm Wunsch
Vermißt sind:
  • Philipp Brecht
  • Karl Walz
  • Karl Hatz jun
  • Wilhelm Westermann
  • Anton Hörig
  • Alfred Wolf
  • Karl Hörig
  • Anton Wolf
  • Otto Maier
  • Karl Wunsch

Sie haben in Pflicht und Treue ihr Leben für das Vaterland hingegeben. Möge ihr Opfer nicht umsonst gewesen sein. Nach Beendigung des 2. Weltkrieges erließen die Siegermächte ein Verbot der Turnvereine, das Vermögen wurde eingezogen. Doch jede Epoche findet ein Ende. 1948 am 28. November haben die Besatzungsmächte das Turnverbot aufgehoben. Der Turngau Mittelbaden-Murgtal erlebte seine Wiedergründung. Es kam am 17. August 1949 zur Wiedergründungsversammlung des TVO. Der Trainingsbetrieb wurde wieder aufgenommen. An den Gauveranstaltungen wurde regelmäßig teilgenommen. Mit großen Anstrengungen wurden 2 Übungsleiter gefunden, beide vom TV Gaggenau- Das gab eine Aufwärtsentwicklung innerhalb des Turnbetriebs, vor allem deshalb, weil erstmals Mädchenturnen angeboten werden konnte.

Man war sich der Entwicklung bewußt, denn 1957 waren 2 herausragende Begebenheiten zu bewältigen. Zum einem wollte man zum Landesturnfest in Mannheim mit einer stabilen Turnmannschaft in die Wettkämpfe gehen, und zum anderen feierte der TVO vom 31.8. - 2.9.57 sein 50jähriges Vereinsjubiläum, welches mit dem Gaualtersturnfest verbunden war. Für den damals relativ kleinen Verein 2 Herausforderungen von bedeutendem Ausmaß, welche auch durch die Mithilfe der Vereinsfamilie und der ganzen Bevölkerung gemeistert wurden. In dieser Zeit war mit dem Verlust des bisherigen Turn- und Spielplatzes durch den Bau der B 462 eine herbe Zeit vor allem für die Faustballer angebrochen und es mußte schnellstens für einen neuen Sportplatz gesorgt werden. Nach langwierigen Verhandlungen mit den betroffenen Grundstückseigentümern und der Gemeindeverwaltung und trotz sofortigem Arbeitsbeginn konnte der neue Platz zum 50 Jubiläumsfest nicht fertig gestellt werden.

In der nun folgenden Zeit kam der Turnbetrieb nahezu zum Erliegen. Es mangelte an Übungsleitern und vor allem an geeignetem Turnraum. Einige der Jugendturner besuchten die Übungsstunden beim TV Kuppenheim. Der Verein bemühte sich, die nun nicht mehr im Betrieb befindliche Dreschhalle in Eigenarbeit für den Turnbetrieb auszubauen, was jedoch vom Gemeinderat abgelehnt wurde. Das war sicher ein depremierender Bescheid. Auch der Wiederaufbau einer bei der Fa. Daimler Benz erstandenen Holzhalle fand kein Gehör. So kam es, daß von 1960 - 1963 kein Turnbetrieb wegen fehlendem Turnraum stattfinden konnte. Nachdem nun die Räumlichkeiten im ehemaligen Oberndorfer Kindergarten leer standen, bemühte sich der Verein, dieselben für den Turnbetrieb nutzen zu können, was auch gelang. Wegen der zu geringen Höhe konnte kein Geräteturnen durchgeführt werden. Trotzdem wurden von nun an die Gauschülerturnfeste regelmäßig besucht und es wurden erstaunliche Erfolge erturnt.

Ein denkwürdiger Tag in der Geschichte Oberndorf und damit auch für den TVO ist ohne Zweifel der 28. März 1969. An diesem Freitag Nachmittag wurde die neue Grundschule mit Turnhalle eingeweiht. Endlich hatten alle bisherigen Provisorien ein Ende und es stand eine Turnhalle für einen geregelten Turnbetrieb zur Verfügung, was den Verein einen mächtigen Aufschwung in der Turnsache bescherte. Daß die Halle in dieser Größe gebaut wurde, ist den Bemühungen des TVO zu verdanken, geplant war ein Gymnastikraum von 8 m x 12 m.

Nach der Eingemeindung nach Kuppenheim und dem Bau der dortigen Großsporthalle im Jahre 1975 fanden auch die Faustballer eine geeignete Trainings- und Spielstätte und das leidige Bitten bei Nachbarvereinen, in der Halle trainieren zu können, hatte ein Ende. Der Faustballsport nahm einen enormen Aufschwung. Neben dem Faustballspiel hat auch das Turnen - männlich und weiblich - an Attraktivität gewonnen. Mit 2 auf turnerischem Gebiet sehr erfahrenen Übungsleitern konnte das Leistungsturnen zu einem hohen Niveau geführt werden. Durch viel Fleiß und einem kontinuierlichen Trainingsbetrieb brachten sie einige Kunstturner auf Bundesligaqualität. Unsere Kunstturner erturnen sich im Turngau Mittelbaden-Murgtal immer die vorderen Plätze.

Die Verantwortlichen des TVO sind sich bewußt, daß es das Bestreben sein muß, denjenigen, die auf sportliche Leistung ziele, genau so Rechnung zu tragen wie denjenigen, die aus sportlichem Empfinden oder gesundheitlichen Aspekten zu den Trainingsstunden kommen. Es muß auch das Bestreben aller sein, das gegenwärtige Erreichte zu halten und zu fördern, das sportliche Angebot immer wieder mit neuem Leben zu erfüllen. Wenn dieses alles gelingt, und da sind wir zuversichtlich, kann es um die Zukunft des TVO nicht schlecht bestellt sein.


Mit diesen Aufzeichnungen aus der Chronik des TVO glaubt der Verfasser, dem verehrten Leser einen Überblick von den Geschehnissen innerhalb des Vereins in den vergangenen 100 Jahren aufgezeigt zu haben. Dem Verfasser dienten als Informationsquellen die drei Schriftführerbücher des Vereins. Er hat die nach seiner Auffassung wichtigsten Begebenheiten des Vereinsgeschehens aufgezeichnet, ohne bewußte Tendenzen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Jahre nach dem Jubiläum (2007–2025)


Das Jubiläumsjahr 2007

Das 100-jährige Vereinsjubiläum wurde mit einem großen Festwochenende vom 22. bis 25. Juni 2007 gefeiert. Am Samstag zog ein Jubiläumsumzug von Oberndorf nach Kuppenheim, der Sonntag stand im Zeichen des Familienfestes und am Montag fand der Brezelsteckenumzug für Kindergarten- und Grundschulkinder statt. Bereits am 10. Juni hatte ein Festgottesdienst in der Heilig-Kreuz-Kirche in Oberndorf stattgefunden, und im März wurde mit einem offiziellen Festakt in der Wörtelhalle Kuppenheim gefeiert. Eine Jubiläums-DVD hielt die Feierlichkeiten für die Nachwelt fest. Im Rückblick waren sich alle einig: Das Jubiläumsjahr war ein voller Erfolg und ein Beweis für den Zusammenhalt im Verein und in der Gemeinde.

Sportliche Erfolge und Weiterentwicklung

In der Zeit nach dem Jubiläum setzte der TVO seine sportliche Entwicklung fort. Der Verein ist heute mit mehr als 500 Mitgliedern breit aufgestellt und bietet ein vielfältiges Angebot für alle Altersgruppen — vom Baby bis zum Senior.

Herausragend sind die Erfolge von Dirk Walterspacher im Kunstturnen. Bereits 2005 hatte er mit der Mannschaft der KTV Straubenhardt den Deutschen Meistertitel errungen. Nach seiner 20-jährigen Bundesligakarriere wechselte er in den Seniorenbereich und turnte fortan für seinen Heimatverein TV Oberndorf. Bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften 2008 in Bad Blankenburg holte er den Titel in der Altersklasse M35 — ein Erfolg, den er 2009 beim Internationalen Deutschen Turnfest in Frankfurt verteidigte. 2010 wurde er Vizemeister in Dresden. Parallel gewann er mehrfach die Baden-Württembergischen Meisterschaften. Auch über die Jahre hinweg blieb Walterspacher dem Wettkampfsport treu: 2022 und 2023 wurde er Badischer Meister, 2023 erneut Deutscher Meister in der Altersklasse M50. Im selben Jahr errang er zwei Goldmedaillen beim Gymnastics Masters Team World Cup und beim Deutschland-Pokal der Senioren. 2025 qualifizierte er sich zum zweiten Mal für den Masters Team World Cup und wurde zum vierten Mal in Folge Badischer Meister. Seine Leistungen über fast zwei Jahrzehnte sind in der Vereinsgeschichte einzigartig.

Die Faustballabteilung blieb über die gesamte Zeit eine tragende Säule des Vereins. Die erste Mannschaft spielte kontinuierlich in der Landesliga und trug ihre Heimspiele in der Sporthalle beim Cuppamare in Kuppenheim bzw. auf dem Rasenplatz bei der Schulturnhalle aus. Das jährliche Hallenturnier im Oktober wurde zur festen Institution. Bemerkenswert ist das Altersgefälle von teilweise mehr als 50 Jahren innerhalb der Abteilung — ein Zeichen für das einzigartige Zusammengehörigkeitsgefühl der Faustballer. In der Hallensaison 2024/25 gelang mit dem zweiten Tabellenplatz (Vizemeister) in der Landesliga Nord sogar die Qualifikation für die Aufstiegsrelegation zur Verbandsliga Baden. Auch Albrecht Streiling sorgte für Aufsehen: Als Mitglied des TV Schluttenbach wurde er mehrfach Deutscher Vizemeister im Feldfaustball der M60.

Das Leistungsturnen der Mädchen und Buben wurde weiterhin auf hohem Niveau betrieben. Regelmäßig nahmen Turner des TVO an Gauschüler- und Gauturnfesten teil und erturnten beachtliche Ergebnisse. Dass beim Eltern-Kind- und Kleinkinderturnen Wartelisten geführt werden mussten, zeugte von der großen Beliebtheit des Angebots.

Neue Angebote und Breitensport

Der TVO entwickelte sein Sportangebot stetig weiter. Neben den traditionellen Abteilungen Turnen, Faustball und Gymnastik kamen im Laufe der Jahre neue Angebote hinzu. ZUMBA etablierte sich ab etwa 2013 als Kursangebot und erfreute sich großer Beliebtheit. Die Marke GYMWELT des Deutschen Turner-Bundes wurde eingeführt, um das breitensportliche Angebot zeitgemäß zu bündeln. Die Wanderabteilung, lange Jahre von Günter Schliephacke als Wanderwart betreut, ging über Heiko Seiler an Andrea und Egbert Stiefvater über und organisierte regelmäßig Auftaktwanderungen, Touren und die Teilnahme am Landeswandertag des Badischen Turnerbundes. Besonders beliebt war auch die traditionelle Vatertagshockete am Brünnele im Oberndorfer Wald, die jedes Jahr an Christi Himmelfahrt Vereinsmitglieder und Gäste zum geselligen Beisammensein einlud.

Ein jüngerer Meilenstein war die Einführung des Kurses „Babys in Bewegung", der unter der Leitung von Liane Westermann das Vereinsangebot um eine Gruppe für Säuglinge ab drei Monaten mit ihren Eltern erweiterte. Seit 2024 werden diese Kurse regelmäßig angeboten und sind stets gut besucht.

Insgesamt unterhielt der TVO zuletzt rund 14 Übungsgruppen — darunter Eltern-Kind-Turnen, Kleinkinderturnen, Mädchenturnen, Bubenturnen, Leistungsturnen, Frauengymnastik, Step-Aerobic, die „Jedermänner" (Freizeitsport für Männer), Faustball, Wandern und verschiedene Kursangebote.

Führungswechsel und Vereinsarbeit

Dreizehn Jahre lang, von 2002 bis 2015, führte Waltraut Streiling als 1. Vorsitzende die Geschicke des Vereins. Bei der Jahreshauptversammlung am 28. Februar 2015 verabschiedete sie sich mit einer persönlichen Rede und übergab das Amt. Die stellvertretende Vorsitzende des Turngaus Mittelbaden-Murgtal, Annerose Schmidhuber, ehrte sie für ihr langjähriges Wirken als Übungsleiterin und in der Vorstandschaft mit dem Gauehrenteller. Auch Ehrenvorsitzender Gerhard Walterspacher gratulierte der sichtlich gerührten Waltraut Streiling.

Zum neuen 1. Vorsitzenden wurde Egbert Stiefvater einstimmig gewählt. Gleichzeitig übernahm er auch die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins. Hans-Dieter Döll löste Gudrun Jung als Schriftführer ab. Stiefvater führte den Verein mit Weitblick und persönlichem Engagement. Er legte besonderen Wert auf die Wertschätzung des Ehrenamts, die Förderung der Übungsleiter und den Zusammenhalt der Vereinsgemeinschaft. Wolfgang Mayer stand ihm als 2. Vorstand zur Seite, bis er 2018 nach neun Jahren aus dem Amt schied und von Ingo Schiffgen als Stellvertreter abgelöst wurde.

Das 110-jährige Bestehen des Vereins im Jahr 2017 wurde nicht mit einem großen Fest, sondern mit einem umfangreichen Ehrungsblock bei der Jahreshauptversammlung begangen. Zwanzig Mitglieder wurden für 25-jährige Vereinszugehörigkeit geehrt, und neun Ehrenamtliche erhielten die silberne Vereinsehrennadel. Gleichzeitig wurden die Mitgliedsbeiträge moderat angehoben und die Übungsleitervergütungen kräftiger erhöht — ein Zeichen für den Weitblick der Vereinsführung.

Beim Internationalen Deutschen Turnfest 2017 in Berlin war der TVO mit stolzen 26 Teilnehmern vertreten — ein beeindruckendes Zeichen der Vereinsaktivität.

Die Corona-Pandemie

Im März 2020 traf die Corona-Pandemie auch den Turnverein Oberndorf mit voller Wucht. Am 12. März musste die bereits geplante Jahreshauptversammlung kurzfristig abgesagt werden. Ab dem 15. März ruhte der gesamte Übungs- und Trainingsbetrieb. In den folgenden Monaten fielen sämtliche Veranstaltungen aus: Sommerfest, Vatertagshock, Faustballturniere, ZUMBA-Kurse, Wanderungen und alle Übungsstunden. Erst im Juni 2020 konnten die Faustballer unter strengen Hygieneauflagen das Freilufttraining wieder aufnehmen.

Auch das Jahr 2021 war noch stark von der Pandemie geprägt. Die ausgefallene Jahreshauptversammlung für die Vereinsjahre 2019 und 2020 konnte schließlich am 28. August 2021 unter einem genehmigten Hygienekonzept nachgeholt werden. Die Ehrungen und Wahlen wurden auf das Folgejahr verschoben. Die Vereine in der Region erhielten Unterstützung von der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau und der Volksbank Baden-Baden Rastatt aus deren Gewinnsparmitteln.

Ab 2022 normalisierte sich das Vereinsleben schrittweise. Die Jahreshauptversammlung vom 23. April 2022 war die erste in regulärem Format seit 2019. Der Verein war erleichtert, wieder zu seinen bewährten Traditionen zurückkehren zu können — vom Sommerfest über die Vatertagshockete bis zum Faustballturnier. Der „Befreiungsschlag" nach der Corona-Zwangspause wurde von den Mitgliedern mit großem Zuspruch begleitet.

Schul- und Hallensanierung ab 2024

Eine besondere Herausforderung für den TVO stellte die umfassende Sanierung der Grundschule und der Schulturnhalle in Oberndorf dar, die im Sommer 2024 begann und voraussichtlich bis 2026 andauern wird. Die Turnhalle und das Schulgebäude waren seit ihrer Einweihung im Jahr 1969 die Heimat des Vereins gewesen — nun musste der gesamte Übungsbetrieb ausgelagert werden.

Mit großem organisatorischen Aufwand — Gespräche mit der Stadt Kuppenheim, den Architektur- und Planungsbüros, den Kuppenheimer und Oberndorfer Vereinen — gelang es, Ausweichquartiere zu finden. Der Großteil der Übungsgruppen zog in das „Haus der Vereine" (Alte Schule) in der Murgtalstraße 8 in Kuppenheim. Die Turner und Faustballer trainierten in der Großsporthalle beim Cuppamare. Materialien, Gerätschaften für Fest- und Wirtschaftsbetrieb mussten ausgelagert und umgezogen werden. Das Sommerfest 2024 konnte noch vor dem Baubeginn in Oberndorf stattfinden, und auch beim Kuppenheimer Stadtfest im September 2024 war der TVO mit einem Stand vertreten. Im Sommer 2025 fand der TVO-Hock erstmals auf dem Dorfplatz in Kuppenheim-Oberndorf statt.

Die Jahreshauptversammlung 2025 wurde dank der Gastfreundschaft des MSC Puma Kuppenheim in deren Vereinsgaststätte abgehalten. Trotz der widrigen Umstände fand der Übungsbetrieb in den neuen Räumlichkeiten erfreulich guten Anklang.

Personelle Herausforderungen und Zukunft

Wie viele Vereine steht auch der TVO vor der Herausforderung, Ehrenämter dauerhaft zu besetzen. Seit mehreren Jahren bleiben Stellvertreterposten unbesetzt. Bei der Jahreshauptversammlung 2024 kündigte Egbert Stiefvater an, nach dieser Amtsperiode nicht mehr als 1. Vorstand zur Verfügung zu stehen. Auch die Ämter des Schriftführers und der Oberturnwartin standen 2025 zur Wahl: Dieter Döll, der das Amt seit 2015 bekleidete, und Gabi Westermann, seit 2009 als Oberturnwartin im Amt, gaben ihre Positionen ab. Im März 2025 konnten mit Beate Rotthäuser als neue Schriftführerin und Liane Westermann als neue Oberturnwartin Nachfolgerinnen gefunden werden. Döll und Westermann wurden für ihren langjährigen Einsatz gebührend geehrt.

Bei der Jahreshauptversammlung 2026 werden das Vorstandsamt und das Amt für die Öffentlichkeitsarbeit — bislang in einer Hand — neu und getrennt zu vergeben sein.

Trotz dieser Herausforderungen blickt der Verein zuversichtlich nach vorn. Mit mehr als 500 Mitgliedern, darunter nahezu 200 Kinder und Jugendliche, ist der TVO lebendiger denn je. Das Vereinsangebot ist so vielfältig wie nie zuvor. Die Vorfreude auf das 125-jährige Jubiläum im Jahr 2032 wurde bereits mehrfach bei den Jahreshauptversammlungen zum Ausdruck gebracht. In Erinnerung an den großartigen Erfolg der Hundertjahrfeier soll auch dieses Jubiläum langfristig geplant und gebührend gefeiert werden.

Der TV 1907 Oberndorf hat in seiner über 115-jährigen Geschichte immer wieder bewiesen, dass er Herausforderungen meistern kann — sei es durch Kriege, wirtschaftliche Krisen, eine Pandemie oder den Umbau seiner Heimstätte. Was den Verein dabei stets zusammenhielt, war der Gemeinschaftsgeist seiner Mitglieder und das unermüdliche Engagement der vielen Ehrenamtlichen. In diesem Sinne gilt heute wie vor hundert Jahren: Gut Heil!